Mitarbeiter finden
Handwerk
Inhouseads Redaktion
Aktualisiert am
17. Oktober 2026
·
ca. 8 Min.
Lesezeit

✦ KURZANTWORT
Azubis finden Handwerksbetriebe vor allem dort, wo Jugendliche ihren Beruf wählen: in Schulen und Praktika, auf Ausbildungsmessen, in sozialen Netzwerken und über Lehrstellenbörsen. Weil Eltern bei der Berufswahl mitreden, sollten Sie auch sie erreichen. Echte Einblicke von Azubis, eine Bewerbung ohne Anschreiben und ein Zeitplan über das ganze Jahr machen den Unterschied.
Dieser Ratgeber beschreibt, wen Sie ansprechen, welche Kanäle sich eignen, welche Inhalte wirken und wie Sie die Suche über das Jahr planen. Für die Suche nach ausgebildeten Fachkräften gibt es einen eigenen Beitrag: Mitarbeiter finden im Handwerk.
Die Lage am Ausbildungsmarkt im Handwerk
Laut dem Bericht „Arbeits- und Ausbildungsmarkt im Handwerk“ der Statistik der Bundesagentur für Arbeit (Stand August 2026) waren im September 2025 rund 16.000 von 96.000 gemeldeten betrieblichen Ausbildungsstellen in Handwerksberufen noch unbesetzt. Das entspricht 17 Prozent; über alle Zuständigkeitsbereiche lag der Anteil bei 12 Prozent, im Bereich Industrie und Handel bei 10 Prozent. In vielen Handwerksberufen kamen laut BA zum Teil deutlich weniger als 50 gemeldete Bewerber auf 100 Stellen.
Derselbe Bericht nennt unter Berufung auf das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) rund 136.000 neu abgeschlossene Ausbildungsverträge im Handwerk für 2025, leicht mehr als im Vorjahr. Das KOFA am Institut der deutschen Wirtschaft beobachtet in seiner Auswertung „Fachkräftesicherung im Handwerk“ (Stand Juni 2026), dass in den vergangenen beiden Jahren sowohl die unbesetzten Ausbildungsstellen als auch die unversorgten Bewerber im Handwerk zugenommen haben, und wertet das als Zeichen für Passungsprobleme. In der Bauelektrik, der Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik und der Dachdeckerei steigen die Bewerberzahlen laut KOFA seit Jahren.
Für Ihren Betrieb heißt das: Interessierte Jugendliche gibt es, aber sie finden nicht automatisch zu Ihnen. Wer früh, regelmäßig und sichtbar auftritt, hat bessere Chancen als ein Betrieb, der erst im Frühjahr eine Anzeige schaltet.
Zielgruppen: wen Sie ansprechen
Schülerinnen und Schüler
Die meisten Bewerber kommen direkt aus der Schule, von der Mittelschule bis zum Gymnasium. Sie wollen wissen, was sie im Alltag tun, wie das Team ist und ob die Arbeit Sinn ergibt. Technik wie Wärmepumpen, Photovoltaik oder vernetzte Haustechnik ist dafür ein gutes Gesprächsthema.
Eltern
Eltern reden bei der Berufswahl mit und haben manchmal ein älteres Bild vom Handwerk im Kopf. Sie fragen nach Sicherheit, Betreuung, Weiterbildung und Verdienstperspektive. Informationen für Eltern auf der Karriereseite oder am Messestand zahlen sich deshalb aus.
Studienabbrecher
Wer ein Studium abbricht, sucht oft einen praktischeren Weg. Studienabbrecher bringen Reife und Vorwissen mit; ob eine Verkürzung der Ausbildung möglich ist, klären Sie mit Ihrer Handwerkskammer. Erreichbar sind sie über die Beratungsstellen der Hochschulen, die Agentur für Arbeit und soziale Netzwerke.
Quereinsteiger
Auch Erwachsene beginnen eine Ausbildung, etwa nach Jahren als Helfer oder aus einer anderen Branche. Für sie zählen Vergütung, Vereinbarkeit mit Familie und die Aussicht auf einen Abschluss. Sprechen Sie diese Gruppe bewusst an, statt die Anzeige nur auf Schulabgänger zuzuschneiden.
Kanäle im Vergleich
Kein Kanal reicht allein. Die Tabelle zeigt, welcher Weg wen erreicht und wie viel Aufwand Sie einplanen sollten. Die Einschätzung ist qualitativ und hängt von Region und Betriebsgröße ab.
Kanal | erreicht wen | Aufwand | Tipp |
|---|---|---|---|
Schulkooperation | Abschlussklassen, Lehrkräfte, teils Eltern | Mittel, laufende Kontaktpflege | Feste Ansprechperson an der Schule, jedes Jahr wiederkehrende Termine wie Berufsorientierungstage |
Praktikum | Schüler, die das Handwerk ausprobieren wollen | Mittel bis hoch, Betreuung nötig | Echte Aufgaben geben und am Ende ein kurzes Feedbackgespräch führen |
Ausbildungsmesse | Schüler und Eltern gemeinsam | Hoch an wenigen Tagen | Azubis an den Stand holen, etwas zum Anfassen mitbringen, Kontakte direkt erfassen |
Social Media (Instagram, TikTok) | Jugendliche, die noch nicht aktiv suchen | Mittel, regelmäßige Beiträge | Kurze Videos aus dem Alltag, von Azubis gezeigt oder selbst gedreht |
Lehrstellenbörse der Handwerkskammer | Aktiv suchende Jugendliche und Berater | Gering | Angebot vollständig und aktuell halten, offene Praktikumsplätze ebenfalls eintragen, wo möglich |
Agentur für Arbeit | Bewerber in der Berufsberatung, auch Erwachsene | Gering | Ausbildungsstelle melden und die Berufsberatung über Praktikumsangebote informieren |
Schulkooperationen und Praktika schaffen den persönlichen Kontakt, der bei Jugendlichen oft den Ausschlag gibt. Ein gutes Praktikum ist dabei die beste Werbung: Wer dort ernst genommen wurde, erzählt es weiter. In sozialen Netzwerken erreichen Sie Jugendliche, bevor sie aktiv suchen. Wichtig sind Regelmäßigkeit und Echtheit, nicht Hochglanz. Wie ein Betrieb seine Kanäle dauerhaft bespielt, beschreibt die Seite zu Social Media für Handwerksbetriebe.
Lehrstellenbörse und Agentur für Arbeit verursachen wenig Aufwand und gehören deshalb in jeden Mix. Die Ausbildungsberater Ihrer Handwerkskammer helfen zudem bei Fragen zu Vertrag, Eignung und Verkürzung. Für Ausbildungsmessen lohnt eine kurze Vorbereitung:
Ein bis zwei Azubis mitnehmen, die vom Alltag erzählen
Etwas zum Ausprobieren mitbringen, etwa ein Werkstück, Werkzeug oder ein Bauteil zum Zerlegen
Kontaktdaten direkt am Stand erfassen, mit Einverständnis und Wunschtermin für ein Praktikum
Eine kurze Info für Eltern bereithalten: Ablauf, Vergütung, Ansprechperson
Alle Kontakte innerhalb einer Woche nach der Messe anrufen
Inhalte, die Jugendliche erreichen
Ein Azubi, der seinen Arbeitstag zeigt, wirkt auf Gleichaltrige meist glaubwürdiger als eine Botschaft der Geschäftsführung. Die überzeugendsten Inhalte zeigen deshalb Ihre Auszubildenden selbst. Bewährte Formate sind:
Ein Tag mit dem Azubi, von der Abfahrt am Morgen bis zum Feierabend
Erste Male: die erste eigene Montage, das erste Bauteil, das selbst angefertigt wurde
Fragen und Antworten: Azubis erklären, was Schüler wirklich wissen wollen, etwa zu Berufsschule, Arbeitszeiten und Vergütung
Vorher-nachher-Aufnahmen von der Baustelle
Der Ausbilder stellt sich vor und erklärt, wie die ersten Wochen ablaufen
Damit nicht jede Woche neu gefilmt werden muss, lohnt es sich, Material gebündelt zu produzieren. An einem Content Day entstehen an einem Termin Fotos und Videos aus Werkstatt und Baustelle, die sich über mehrere Monate verteilt für Social Media, Karriereseite und Messe einsetzen lassen. Holen Sie vorher das Einverständnis aller Gezeigten ein, bei Minderjährigen auch das der Eltern.
Bewerbung ohne Hürden
Viele Jugendliche haben noch nie eine Bewerbung geschrieben. Ein verpflichtendes Anschreiben schreckt ab, bevor Sie die Person überhaupt kennengelernt haben. Senken Sie die Schwelle:
Bewerbung per kurzem Formular oder Messenger, ohne Anschreiben
Wenige Pflichtangaben: Name, Telefonnummer, Schule und Abschlussjahr, gewünschter Beruf
Zeugnisse und Lebenslauf dürfen nachgereicht werden
Rückmeldung innerhalb weniger Tage, möglichst telefonisch
Probetag oder Praktikum als nächster Schritt statt eines formellen Vorstellungsgesprächs
Formulieren Sie die Anzeige in der Sprache der Zielgruppe und nennen Sie Ausbildungsvergütung, Arbeitszeiten und den Standort der Berufsschule. Worauf es bei Aufbau und Text ankommt, zeigt der Beitrag Stellenanzeige im Handwerk schreiben.
Zeitplan: Azubi-Recruiting über das Jahr
Die meisten Ausbildungen beginnen im August oder September. Wer erst im Frühjahr mit der Suche startet, konkurriert mit Betrieben, die schon seit Monaten sichtbar sind. Der folgende Monatsplan ist ein Beispiel für einen Ausbildungsstart im Spätsommer und lässt sich an Ihre Region und die Schulferien anpassen:
September: neue Azubis begrüßen und vorstellen, Inhalte für das Jahr planen, Termine für Messen und Schulbesuche erfragen
Oktober: Kontakt zu Schulen aufnehmen, Praktikumsplätze anbieten, Ausbildungsstelle für das Folgejahr in der Lehrstellenbörse und bei der Agentur für Arbeit melden
November: Drehtag mit den Azubis, erste Beiträge in sozialen Netzwerken
Dezember: Bewerbungsweg am Handy testen, Karriereseite aktualisieren
Januar: Praktika in den Praktikumszeiträumen der Schulen betreuen, Bewerbungen zügig beantworten
Februar: Ausbildungsmessen besuchen, Eltern gezielt ansprechen
März: Probetage durchführen, erste Zusagen geben
April: Social Media verstärken, Aktionstage wie Girls’Day oder Boys’Day nutzen, sofern sie in diesen Zeitraum fallen
Mai: offene Plätze erneut bewerben, Studienabbrecher und Quereinsteiger ansprechen
Juni: Verträge abschließen, Kontakt zu künftigen Azubis halten, etwa mit einer Einladung zum Sommerfest
Juli: Einarbeitung vorbereiten, Ausbilder und Paten festlegen
August: Ausbildungsstart, die erste Woche bewusst gestalten, noch offene Plätze weiter bewerben
Ausbildungsqualität sichtbar machen
Jugendliche und Eltern entscheiden auch danach, ob ein Betrieb eine gute Ausbildung verspricht. Das ist nicht nur für die Gewinnung wichtig: Laut dem genannten BA-Bericht wurden unter Berufung auf BIBB-Daten rund 37 Prozent der Ausbildungsverträge der Jahre 2022 bis 2024 im Handwerk wieder gelöst, im Bereich der Industrie- und Handelskammern 27 Prozent. Nicht jede Lösung ist ein endgültiger Abbruch, aber jede kostet Ihren Betrieb Zeit und Aufwand. Machen Sie deshalb sichtbar, was Sie bieten:
feste Ausbilder und Paten mit Namen und Foto
einen Ausbildungsplan, der zeigt, was im ersten, zweiten und dritten Jahr gelernt wird
Unterstützung bei Berufsschule und Prüfungsvorbereitung
Ausstattung wie Werkzeug, Arbeitskleidung und gegebenenfalls Fahrtkostenzuschuss, sofern Sie diese stellen
Perspektiven nach der Ausbildung: Übernahme, Spezialisierung, Meister oder Techniker
Stimmen aktueller Azubis, mit deren Einverständnis
Wichtiger als jedes Siegel ist, dass das Gezeigte im Alltag stimmt. Azubis erzählen Freunden und Mitschülern, wie es im Betrieb wirklich läuft, und genau diese Erzählungen entscheiden mit, wer sich im nächsten Jahr bewirbt.
Fazit
Azubis finden im Handwerk gelingt, wenn Betriebe früh im Jahr beginnen, Schüler und Eltern gleichermaßen ansprechen und mehrere Kanäle kombinieren: Schule und Praktikum für den persönlichen Kontakt, Messen für Familien, Social Media für Reichweite, Lehrstellenbörse und Arbeitsagentur für aktiv Suchende. Echte Einblicke von Azubis und eine Bewerbung ohne Hürden senken die Schwelle zum ersten Kontakt. Wie Inhouseads Handwerksbetriebe bei der Ansprache von Bewerbern unterstützt, beschreibt die Seite Recruiting für Handwerksbetriebe.
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Etwa ein Jahr vor dem gewünschten Ausbildungsstart. Im Herbst lassen sich Schulkontakte knüpfen und Praktika vereinbaren, im Winter und Frühjahr folgen Messen und Bewerbungsgespräche. Wer erst kurz vor dem Sommer sucht, ist vor allem auf Lehrstellenbörsen, die Arbeitsagentur und kurzfristige Nachrücker angewiesen.
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Für den Einstieg reicht meist ein kurzes Formular mit Kontaktdaten, Schule und Wunschberuf. Ob jemand passt, zeigt ein Praktikum oder Probetag deutlich besser als ein Brief. Zeugnisse und Lebenslauf können Sie anschließend für die Vertragsunterlagen anfordern.
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Eltern erreichen Sie auf Ausbildungsmessen, an Elternabenden und über Anzeigen in sozialen Netzwerken, die sich an Erwachsene richten. Sie interessieren sich für Betreuung, Sicherheit und Perspektiven. Ein eigener Abschnitt auf der Karriereseite mit Ansprechperson, Ausbildungsablauf und Übernahmechancen beantwortet die häufigsten Fragen.
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Die großen Plattformen schränken die Ausrichtung von Werbung auf Minderjährige ein, und die Regeln ändern sich regelmäßig. Prüfen Sie die aktuellen Richtlinien vor dem Start. Oft ist eine Mischung sinnvoll: Anzeigen für junge Erwachsene und Eltern, regelmäßige organische Beiträge für Schülerinnen und Schüler.
Inhouseads Redaktion
Die Redaktion schreibt aus der täglichen Arbeit an Kampagnen, Landingpages, Recruiting und Content für Photovoltaik-, Wärmepumpen- und Handwerksbetriebe in Deutschland. Jeder Artikel wird von den Spezialisten des jeweiligen Bausteins fachlich geprüft.


